Lächelnde Frau hebt zum Abschied die Hand und winkt in die Kamera
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„Baba“, „Bussi“, „Servus“ oder „Pfiat di“? So verabschiedet man sich in Wien

„Baba“, „Servus“, „Pfiat di“ oder doch „Bussi, Baba“? Wiener Abschiede sagen oft mehr über Nähe, Tonlage und Beziehung aus als viele große Worte. Ein kleiner Sprachführer durch die charmant komplizierte Kunst des Verabschiedens in Wien.
07.08.2026Julia Perner6 Min. Lesezeit
ZWISCHEN WIEN & DER WELT ORTE · MENSCHEN · MOMENTE

Baba, Bussi, Servus oder Pfiat di? So verabschiedet man sich in Wien wirklich

Wer nach Wien kommt, merkt schnell: Ein einfaches „Tschüss“ funktioniert zwar, aber wirklich wienerisch klingt es nicht. Hier sagt man „Baba“, „Servus“, „Pfiat di“, „Wiederschaun“ oder gleich „Bussi, Baba“. Welche Verabschiedung passt, hängt davon ab, wie gut man sich kennt, wo man gerade ist und – wie so oft in Wien – vom richtigen Ton.

Denn ein Wiener Abschied ist selten nur ein Abschied. In einem kurzen „Baba“ steckt etwas anderes als in einem langgezogenen „Baaaaaba“, ein „Pfiat di“ klingt wärmer als ein „Wiederschaun“ und ein „Bussi, Baba“ sagt oft mehr über eine Beziehung aus als ein ganzer Abschiedssatz.

Was sagt man in Wien zum Abschied?

Die typischsten Verabschiedungen in Wien sind „Baba“, „Servus“, „Pfiat di“ und „Wiederschaun“. Unter Freunden, Familie und guten Bekannten hört man außerdem sehr oft „Bussi, Baba“.

„Baba“ ist locker und alltagstauglich, „Servus“ funktioniert sowohl als Begrüßung als auch als Abschied, „Pfiat di“ klingt persönlicher und traditioneller, während „Wiederschaun“ eher in höflicheren Alltagssituationen verwendet wird.

Klingt einfach.

Ist es natürlich nicht.

Baba – kurz gesagt, aber selten bedeutungslos

„Baba“ ist wahrscheinlich die unkomplizierteste Wiener Verabschiedung. Man hört es bei Freunden, Kollegen, Bekannten und oft auch in kleinen Geschäften oder Lokalen.

Spannend wird es erst bei der Tonlage. Ein kurzes „Baba“ ist neutral. Ein freundliches „Baba, bis bald“ klingt verbindlicher. Und ein langgezogenes „Baaaaaba“ ist fast schon ein kleines Zeichen von Zuneigung.

Je länger das Baba, desto größer meist die Herzlichkeit.

Besonders typisch ist, dass die Verabschiedung längst begonnen hat, aber niemand wirklich geht. Aus „Baba“ wird „Baaaba“, dann kommt noch eine letzte Geschichte, noch ein „Meld dich“ und irgendwann ein weiteres „Baba“.

Wiener Abschiede sind eben selten effizient.

Servus – Hallo und Baba in einem

„Servus“ ist eines der praktischsten Wörter überhaupt, weil es sowohl zur Begrüßung als auch zum Abschied verwendet werden kann. Wer „Servus“ sagt, liegt in lockeren Situationen fast nie völlig daneben.

Nur bei „Na servus“ ändert sich die Bedeutung deutlich. Dann heißt es meist nicht Hallo oder Auf Wiedersehen, sondern eher: Das kann ja heiter werden, Das gibt’s doch nicht oder schlicht Geh bitte.

Auch hier zeigt sich, wie stark österreichische Sprache von Tonfall und Situation lebt. Das Wort selbst ist oft nur die halbe Information.

Pfiat di – ein Abschied mit mehr Wärme

„Pfiat di“ ist eine traditionelle österreichische Verabschiedung und bedeutet sinngemäß „Mach’s gut“ oder „Pass auf dich auf“. Der Ausdruck geht auf „Behüt dich Gott“ zurück.

In Wien hört man „Pfiat di“ durchaus, wenn auch weniger universell als „Baba“ oder „Servus“. Es wirkt persönlicher und ein wenig wärmer.

Ein „Pfiat di“ klingt nicht bloß nach „Ich gehe jetzt“, sondern eher nach „Komm gut heim“. Genau deshalb hat der Ausdruck etwas, das ein nüchternes „Auf Wiedersehen“ kaum transportieren kann.

Wiederschaun – höflich, knapp und typisch österreichisch

„Wiederschaun“ ist die umgangssprachliche österreichische Form von „Auf Wiedersehen“. Besonders oft hört man es in Kaffeehäusern, Restaurants, Geschäften oder im täglichen Kontakt mit Menschen, die man nicht näher kennt.

„Danke.“

„Bitte.“

„Wiederschaun.“

„Wiederschaun.“

Das war’s.

Keine Umarmung, keine großen Emotionen und vor allem keine Verpflichtung, sich tatsächlich wiederzusehen.

Sehr praktisch. Sehr österreichisch.

Bussi, Baba – wenn der Abschied persönlicher wird

„Bussi, Baba“ ist eine herzliche Verabschiedung, die vor allem unter Freunden, Familienmitgliedern oder engen Bekannten verwendet wird. Wörtlich ist sie simpel: Küsschen und tschüss. Kulturell steckt aber mehr dahinter.

Denn ein „Bussi“ kann nur gesagt werden – oder tatsächlich stattfinden. Und genau dann beginnt die kleine soziale Choreografie: eine Wange oder zwei, links oder rechts, Luftkuss oder echter Kontakt?

Besonders bei internationalen Begegnungen kann daraus schnell ein kurzer Moment der Unsicherheit werden. Die sicherste Wiener Strategie danach lautet: so tun, als wäre überhaupt nichts passiert.

„Meld dich“ gehört fast schon dazu

Kaum eine österreichische Verabschiedung ist komplett ohne ein abschließendes „Meld dich“.

Das kann tatsächlich bedeuten: Bitte melde dich.

Es kann aber auch einfach eine freundliche Abschlussformel sein. Eine Art sprachliches Schleifchen am Ende des Treffens, ohne dass sofort ein konkretes Wiedersehen geplant werden muss.

„Bussi, Baba, meld dich“ ist deshalb fast eine kleine Wiener Abschiedsformel für sich.

Warum Wiener Abschiede oft so lange dauern

Wenn ein Wiener sagt „So, ich werd dann langsam …“, bedeutet das nicht automatisch, dass er jetzt geht. Es bedeutet nur, dass die erste Phase der Verabschiedung offiziell begonnen hat.

Danach können noch erstaunlich viele Dinge passieren: eine letzte Geschichte, noch ein Schluck, die Rechnung, eine Diskussion darüber, wer zahlt, Jacke anziehen, Schlüssel suchen und plötzlich ein komplett neues Gesprächsthema beginnen.

Der wirklich entscheidende Satz lautet deshalb meist:

„So. Jetzt aber wirklich.“

Ab diesem Moment steigt zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich jemand geht.

Sagt man in Wien eigentlich „Tschüss“?

Ja, natürlich. „Tschüss“ versteht jeder und niemand wird deswegen schief angeschaut. Es klingt nur weniger typisch wienerisch als „Baba“, „Servus“ oder „Wiederschaun“.

Wer als Besucher etwas lokaler klingen möchte, ist mit „Baba“ oder „Servus“ meistens am besten beraten. „Wiederschaun“ passt in höflicheren Situationen, „Pfiat di“ wirkt persönlicher und „Bussi, Baba“ sollte man eher Menschen überlassen, mit denen bereits eine gewisse Vertrautheit besteht.

Was Wiener Verabschiedungen über die Stadt erzählen

Vielleicht sind diese kleinen Wörter deshalb so interessant, weil sie ziemlich viel über Wien verraten. Die Stadt kann distanziert und gleichzeitig herzlich sein. Gefühle werden nicht immer direkt ausgesprochen, sondern oft über Tonlage, Ironie und kleine sprachliche Codes vermittelt.

Ein trockenes „Servus“, ein warmes „Pfiat di“, ein beiläufiges „Bussi“ oder ein endlos langes „Baaaaaba“ sagen deshalb oft mehr, als auf den ersten Blick darin steckt.

Wer Wien verstehen will, sollte also nicht nur darauf achten, was gesagt wird.

Sondern vor allem darauf, wie.

Also dann.

War schön.

Machen wir wieder.

Meld dich.

Bussi. Baba.

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